Ratgeber Ladungssicherung / Container

CTU-Code einfach erklärt: Packrichtlinien für Container

Der CTU-Code ist die internationale Richtlinie für das sichere Packen von Containern und anderen Beförderungseinheiten. Dieser Ratgeber erklärt Bedeutung, Geltung, Verantwortung und das Container Packing Certificate – praxisnah und ohne Fachchinesisch.

Kurz beantwortet

Was ist der CTU-Code?

Der CTU-Code („Code of Practice for Packing of Cargo Transport Units“) ist eine gemeinsame Packrichtlinie von IMO, ILO und UNECE aus dem Jahr 2014. Er beschreibt, wie Container, Wechselbehälter und Fahrzeuge sicher gepackt, gesichert, befördert und wieder ausgepackt werden – über die gesamte intermodale Transportkette.

Er ist rechtlich nicht verbindlich, gilt aber als anerkannter Stand guter Packpraxis. Für Gefahrgut, das anschließend über See geht, verweist der IMDG-Code beim Container-Packzertifikat auf ihn: Wer das Zertifikat unterschreibt, bestätigt eine Sicherung, die für die vorgesehenen Verkehrsträger geeignet ist.

Merksatz: Der CTU-Code sagt, „wie“ gepackt und gesichert wird. Der IMDG-Code und das ADR sagen, „was“ beim Gefahrgut zu beachten ist. In Betrieben mit Container-Versand gehören beide zusammen.
Bedeutung

CTU-Code: Bedeutung und Herkunft

Hinter der Abkürzung steckt ein internationales Regelwerk mit klarer Zielsetzung.

1

Was CTU heißt

CTU steht für „Cargo Transport Unit“ – Güterbeförderungseinheit. Gemeint sind Container, Wechselbehälter und Fahrzeuge, in oder auf die Ladung gepackt wird.

2

Wer ihn herausgibt

Eine gemeinsame Veröffentlichung von IMO (Seeschifffahrt), ILO (Arbeitsschutz) und 2014 verabschiedet.

3

Warum es ihn gibt

Ein großer Teil der Container-Schadensfälle geht auf falsches Packen oder unzureichende Sicherung zurück. Der Code soll Menschen, Ladung, Umwelt und Infrastruktur entlang der Transportkette schützen.

Geltung

Ist der CTU-Code verpflichtend?

Die wichtigste und am häufigsten missverstandene Frage – hier sauber getrennt.

1

Grundsätzlich unverbindlich

Der CTU-Code ist ein „Code of Practice“ – also eine Empfehlung, keine unmittelbar geltende Rechtsnorm.

2

Seeverkehr-Gefahrgut: Verweis

Folgt der Beförderung eine Seebeförderung, verlangen ADR 5.4.2 und IMDG-Code 5.4.2 ein Container-Packzertifikat. Der IMDG-Code verweist dort für die verkehrsträgergerechte Sicherung auf den CTU-Code.

3

Anerkannter Standard

Auch ohne Gefahrgut gilt er als Stand guter fachlicher Praxis. Bei Schadensfällen wird gefragt, ob nach diesem Stand gepackt wurde.

4

Sorgfaltspflicht

Wer Container packt, trägt Verantwortung für die beförderungssichere Ladung. Der CTU-Code liefert dafür den fachlichen Maßstab.

Verantwortung

Wer ist für das Packen verantwortlich?

Die Verantwortung beginnt nicht im Seehafen, sondern beim Versender im Binnenland.

1

Packer / Versender

Der Packer belädt und sichert die CTU, der Versender liefert korrekte Angaben zu den Gütern. Für Mängel aus unsachgemäßem Packen und Sichern ist nach dem Code der Befrachter/Absender verantwortlich – Packer und Versender stehen ihm gegenüber dafür ein.

  • Container auf Eignung prüfen (sauber, trocken, unbeschädigt)
  • Ladung stauen, sichern, Gewicht verteilen
  • Nutzlast und höchste Bruttomasse nicht überschreiten
2

CTU-Betreiber

Stellt die Beförderungseinheit bereit und sorgt dafür, dass sie für den vorgesehenen Zweck geeignet ist.

  • Für den Verwendungszweck geeignete CTU
  • Bauliche Festigkeit und Sicherheitsvorschriften erfüllt (z. B. CSC-Zulassungsschild)
  • Sauber und frei von Ladungsrückständen und Schädlingen
3

Beförderer

Verantwortlich für die Beförderung der CTU im Vor-, Haupt- oder Nachlauf und die sichere Handhabung unterwegs.

  • CTU auf dem Beförderungsmittel sichern
  • Beförderung nach Vereinbarung und geltenden Regeln
  • Geschultes Personal für die jeweilige Ladung
4

Bei Gefahrgut zusätzlich

Alle Beteiligten müssen für ihre Aufgaben ausgebildet oder unterwiesen sein – bei Gefahrgut nach ADR 1.3 beziehungsweise IMDG-Code 1.3.

  • Zusammenpackungs- und Trennvorschriften beachten
  • Kennzeichnung und Placards korrekt anbringen
  • Rollen und Nachweise dokumentieren

Das Container Packing Certificate

Das Container-/Fahrzeug-Packzertifikat bestätigt, dass ein mit Gefahrgut gepackter Container nach den Bedingungen des Abschnitts 5.4.2 gepackt wurde. Es benennt die Container-Kennung und bestätigt unter anderem, dass der Container sauber, trocken und geeignet war, keine unzulässige Zusammenladung erfolgte und alle Versandstücke äußerlich geprüft wurden.

Wichtig zur Geltung: Folgt der Containerbeförderung eine Seebeförderung, ist das Packzertifikat vorgeschrieben (ADR 5.4.2, IMDG-Code 5.4.2). Bei reiner Straßenbeförderung nach ADR verlangt Abschnitt 5.4.2 es nicht.

Verantwortung: Ausgestellt wird es von den für das Packen Verantwortlichen. Die unterzeichnende Person muss – wie alle Beteiligten bei Gefahrgut – entsprechend unterwiesen sein.

Abgrenzung

CTU-Code, VDI 2700 und DIN EN 12195

Drei Regelwerke, die oft verwechselt werden – hier die Unterschiede und wie sie zusammenspielen.

C

CTU-Code

Verkehrsträgerübergreifend: das Packen und Sichern von Containern und CTU über die gesamte intermodale Kette – See, Straße, Schiene.

V

VDI 2700

Richtlinienreihe zur Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen – der Stand der Technik im Straßenverkehr.

D

DIN EN 12195-1

Berechnungsnorm für Zurrkräfte auf der Straße: LC, STF, Zurrwinkel, Reibbeiwert – die rechnerische Grundlage der Sicherung.

Zusammenspiel: In Betrieben, die Container packen und über die Straße transportieren, greifen die Themen ineinander. Wer Gefahrgut in Container packt, kombiniert den CTU-Code sinnvoll mit einer Unterweisung nach ADR 1.3.
FAQ

Häufige Fragen zum CTU-Code

Kurze Antworten für Versand, Lager, Disposition und Verantwortliche.

Was bedeutet CTU-Code?

CTU steht für Cargo Transport Unit (Güterbeförderungseinheit). Der CTU-Code ist die gemeinsame Packrichtlinie von IMO, ILO und UNECE aus dem Jahr 2014 für das sichere Packen, Sichern und Handhaben von Containern, Wechselbehältern und Fahrzeugen über die gesamte Transportkette.

Ist der CTU-Code gesetzlich verpflichtend?

Der CTU-Code selbst ist ein unverbindlicher Code of Practice. Für Gefahrgut, das anschließend über See befördert wird, verlangen ADR 5.4.2 und IMDG-Code 5.4.2 ein Container-Packzertifikat; der IMDG-Code verweist dort für die verkehrsträgergerechte Sicherung auf den CTU-Code. Für reine Landbeförderungen gilt er als anerkannter Stand guter Packpraxis.

Wer ist für das richtige Packen des Containers verantwortlich?

Die Verantwortung beginnt nicht im Hafen, sondern beim Packer beziehungsweise Versender – also dem Unternehmen und der von ihm benannten Person, die den Container belädt und sichert. Bei Gefahrgut müssen die Beteiligten zusätzlich nach ADR 1.3 beziehungsweise IMDG-Code 1.3 unterwiesen sein.

Was ist das Container Packing Certificate?

Das Container-/Fahrzeug-Packzertifikat (Container Packing Certificate) bestätigt, dass ein mit Gefahrgut gepackter Container nach den Bedingungen des Abschnitts 5.4.2 des IMDG-Codes gepackt wurde – zum Beispiel sauber und trocken, ohne verbotene Zusammenladung, mit geprüften Versandstücken. Folgt eine Seebeförderung, ist es vorgeschrieben; bei reiner Straßenbeförderung nach ADR verlangt Abschnitt 5.4.2 es nicht.

Worin unterscheidet sich der CTU-Code von der VDI 2700 / DIN EN 12195?

Die Richtlinienreihe VDI 2700 und die DIN EN 12195-1 betreffen die Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen. Der CTU-Code ist verkehrsträgerübergreifend und deckt die gesamte intermodale Kette ab – vom Packen des Containers beim Versender über See, Straße und Schiene bis zum Auspacken. In Betrieben mit Container-Versand ergänzen sich die Themen.

Wer sollte eine CTU-Code-Schulung besuchen?

Alle, die am Packprozess beteiligt sind: Packpersonal, Lager, Verlader, Disposition, Fuhrpark- und Versandverantwortliche sowie Führungskräfte. Bei Gefahrgut ist zusätzlich eine Unterweisung nach ADR 1.3 sinnvoll – beide Themen lassen sich kombinieren.

Container sicher und regelkonform packen?

Ich schule Ihr Team praxisnah zum CTU-Code – Container-Check, Packmuster, Gewichtsverteilung, Sicherung und Dokumentation, auf Wunsch kombiniert mit der ADR 1.3 Unterweisung für Gefahrgut. Inhouse und bundesweit, mit auditfähigem Nachweis.

Zur CTU-Code Schulung
Hinweis: Dieser Ratgeber ist eine praxisorientierte Übersicht und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind der CTU-Code, ADR/RID, der IMDG-Code sowie GGVSee/GGVSEB in der jeweils gültigen Fassung. Ob und wie der CTU-Code im konkreten Fall anzuwenden ist, sollte betrieblich geprüft werden.
KS Driver Academy Ratgeber
Ratgeber & Praxiswissen

Fachbeiträge zu Ladungssicherung, Gefahrgut, ADR 1.3, BKF-Weiterbildung und betrieblichen Unterweisungen – verständlich erklärt und auf den Alltag in Transport, Logistik und Betrieb ausgerichtet.

Hier finden Unternehmer, Fuhrparkverantwortliche, Fahrer, Verlader und Disponenten praxisnahe Orientierung zu Verantwortlichkeiten, Pflichten, Nachweisen, Intervallen und typischen Fragen aus der betrieblichen Praxis.

von KS86970_20211111172312 • 6. September 2026
Selbsttest nach GbV: alle sieben Befreiungstatbestände einzeln geprüft, mit Fundstelle. Dazu Bestellpflicht, Schulungsnachweis und Jahresbericht.
von Kristian Scholze • 6. September 2026
Seit Juni 2026 regelt VDI 2700 Blatt 16 die Ladungssicherung in Transportern bis 7,5 t. Warum kleine Fahrzeuge höhere Sicherungskräfte brauchen als der Lkw.
von Kristian Scholze • 6. September 2026
Lenkzeit, Fahrtunterbrechung, Ruhezeit: die Regeln der VO 561/2006 mit Fundstelle, Schaubild und den Änderungen vom 1. Juli 2026.
von Kristian Scholze • 19. Juli 2026
14 Rollen im Lager und Umschlag mit ihren Unterweisungspflichten, Rechtsgrundlagen und Fristen – von ADR 1.3 bis DGUV 208-050. Interaktiv und praxisnah.
von Kristian Scholze • 11. Juli 2026
BKF-Weiterbildung mit ADR-Schein auf 28 Stunden verkürzen: Anrechnung nach § 4 Abs. 4 BKrFQV, Voraussetzungen, 5-Jahres-Frist und typische Fehler erklärt.
Handwerker-Transporter mit gesicherten Propangasflaschen und Materialkisten im Laderaum für den Baus
von Kristian Scholze • 11. Juli 2026
Handwerkerregelung ADR 1.1.3.1 c) einfach erklärt: wann Gefahrgut im Handwerker-Transporter freigestellt ist – 450-l-Grenze, 1000 Punkte, typische Fehler.
Detailaufnahme der geschlossenen Metall-Ratsche eines orangefarbenen Zurrgurts zur Ladungssicherung
von Kristian Scholze • 20. Juni 2026
VDI 2700a Schulung einfach erklärt: Zielgruppen, Inhalte, Ausbildungsnachweis Ladungssicherung und Abgrenzung zur Unterweisung.
Heck eines Tanklastzugs mit orangefarbener Gefahrguttafel und rotem Gefahrzettel für entzündbare flüssige Stoffe
von Kristian Scholze • 14. Juni 2026
Gefahrgut erkennen einfach erklärt: UN-Nummer, Gefahrzettel, Sicherheitsdatenblatt, Kennzeichnung, typische Fehler und ADR-1.3-Unterweisung im Betrieb.
Detailaufnahme der geschlossenen Metall-Ratsche eines orangefarbenen Zurrgurts zur Ladungssicherung
von Kristian Scholze • 12. Juni 2026
Welche Nachweise zur Ladungssicherung sinnvoll sind: Unterweisung, Schulung, Sichtprüfung, Verantwortlichkeiten, Checklisten und Dokumentation.
Weißer LKW im Transportverkehr auf einer Landstraße umgeben von Bäumen
von Kristian Scholze • 12. Juni 2026
Lenk- und Ruhezeiten nach VO (EU) 165/2014: Downloadfristen 28 und 90 Tage, Archivierung, Kontrolle und Nachweis – Pflichten für Unternehmer.